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Jugendstil-Fassade - Art nouveau und Art déco
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Art nouveau und Art déco

« Wo liegt der Unterschied? »

Einige Kunstströmungen der Vergangenheit freuen sich bis heute über große Fangemeinden. Hierzu zählt der Jugendstil, auch Art nouveau genannt, ebenso wie die Art déco. Die Designideen der beiden Epochen weisen Parallelen auf. Sie unterscheiden sich trotzdem deutlich voneinander. Das offenbart sich beispielsweise, wenn man antike Beschläge und Leuchten vergleicht.

Kreative Gegenentwürfe der Nachwuchstalente

Die aufkommende Industrialisierung ermöglichte beispielsweise in Großbritannien die massenhafte Produktion von Möbeln und Accessoires mit fantasievoller Dekoration. Zeitgleich etablierten sich bei der Architektur neue Bauweisen mit Beton und Eisen. In Deutschland bekannte man sich seit dem 19. Jahrhundert zum Historismus. Er klammerte sich nicht ausschließlich an die alten Prinzipien von Epochen wie Gotik und Barock. Die Kombination von Elementen aus weiteren Stilrichtungen führte demzufolge oft zur überladenen Ästhetik. Gleiches galt für die Belle Epoque in Frankreich. Dort versuchten sich die wohlhabenden Bürger gegenseitig mit der opulenten Extravaganz ihres Interieurs zu übertreffen.

Gebäude der Winer Secession - eins der bedeutendsten Gebäude des Jugendstils
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Den Nachwuchskünstlern widerstrebte die Rückwärtsgewandtheit ebenso wie die Tendenz zur übermäßigen Dekoration und die ausdruckslose Massenfertigung. Sie wendeten sich davon ab, um etwas Neues hervorzubringen. Mit Bezug auf den Namen einer 1895 gegründeten Kulturzeitschrift bezeichnete man diese Gegenbewegung in Deutschland als Jugendstil. Im französischen Raum etablierte sich der Begriff Art nouveau, der inzwischen international gebräuchlich ist.

Tischleuchte - Glasschirm weiß / Rohr gerieft

Designideen mit Schwung und floralen Details

Der Jugendstil rankt sich zeitlich um die Jahrhundertwende und dauerte rund zwanzig Jahre an. Die Überschaubarkeit der Epoche erklärt, warum sich viele Antiquitäten und Gebäude nicht eindeutig von anderen Strömungen abgrenzen bzw. der Art nouveau zuordnen lassen. Es kam logischerweise zu stilistischen Überschneidungen.

In Deutschland formierten sich im Umfeld der Großstädte diverse Gegenbewegungen, die man heute als Art nouveau zusammenfasst. Gleiches gilt für andere europäische Länder. Das verbindende Element war die Distanzierung vom Historismus und der industriellen Produktion. Ansonsten unterschieden sich die künstlerischen Ansätze teils deutlich voneinander. Das erschwert eine allgemeingültige Definition, woran man Objekte der Art nouveau erkennt.

Auffallend häufig experimentierten die Kunsthandwerker mit geschwungenen Formen und Asymmetrien. Florale Verzierungen waren ebenfalls sehr beliebt. Britische Künstler ließen sich von japanischen Ausstellungen beeindrucken, die damals in London stattfanden. Sie griffen bei ihren Werken entsprechende Motive auf, die später auch andernorts in Europa populär wurden.

Obecní dům - das Prager Gemeindehaus - Art nouveau und Art déco
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Inspirierende Weltausstellung in Paris

Ein neuer Stil, in diesem Fall die Art nouveau, rief natürlich auch gleich zahlreiche Kritiker auf den Plan. Sie beanstandeten beispielsweise die schwungvolle Formensprache und fehlende Symmetrie. Heutzutage mutet der typische Dekor mit Naturbezug verspielt an. Im Vergleich zu vorhergehenden Stilepochen wirkte der Designansatz aber auffallend dezent. Wer auf die vertraute Ästhetik fixiert war, lehnte die Art nouveau als exzentrische Modewelle ab. Es gab hingegen andere Kunstschaffende, die sich nach einer deutlicheren Weiterentwicklung sehnten.

Keramikleuchte - Tischleuchte weiß-blau

So experimentierte beispielsweise der Kubismus mit dem Aufsplittern von Formen. Einige Maler verblüfften das Publikum mit ausdrucksstarken Farbkontrasten. Funktionalisten verzichteten gänzlich auf dekorative Details. Bei der Pariser Ausstellung „Arts Décoratifs et industriels modernes“ waren 1925 alle zeitgenössischen Kunstrichtungen vertreten. Ihr verdankt die Art déco ihren Namen, den man aber erst in den 1960ern definierte. Denn es handelte sich nicht um eine Kunstbewegung, die sich gewissen Zielen verschrieb. Vielmehr ging es im Nachhinein um die Beschreibung eines Übergangsphänomens auf dem Weg zur Moderne.

Wohngebäude im Kubismus-Stil
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Symbol für stilvolle Lebensfreude

Die Art déco ist demnach ähnlich facettenreich wie die Art nouveau. Zu den bedeutenden Impulsgebern gehörte die Wiener Werkstätte. Ihre Secessionskünstler orientierten sich an der geradlinigen Formensprache, die für den britischen Jugendstil typisch waren. Gleichzeitig bildeten sie ihren eigenen Stil heraus, der wegweisenden Charakter hatte. Denn die eleganten Inneneinrichtungen der Werkstätte wiesen schon kurz nach der Jahrhundertwende Art déco-Züge auf.

Typisch waren Entwürfe, die stilisiert und flächig wirkten. Organische Motive wurden oft aufgegriffen. Man interpretierte sie aber eher abstrakt und plakativ als natürlich. Die Möbel begeisterten mit formaler Eleganz, kostbaren Materialien und starken Farben. Man zitierte gern Stilelemente aus diversen zeitgenössischen Strömungen und kombinierte sie kreativ miteinander.

Der Kunstbegriff definiert nur einen kurzen Zeitraum in den 1920ern. In Europa riss die Art déco durch den 2. Weltkrieg abrupt ab. Ihr Einfluss auf die ästhetische Gestaltung hielt in den USA aber bis zu den 1950ern an. Der Kunststil blühte erstmals auf, als die boomende Wirtschaft und der technische Fortschritt die Bevölkerung ermutigten. Insbesondere wohlhabende Haushalte deckten sich umfangreich mit Gütern aus den modernen Kollektionen ein. Der Bezug zur optimistischen Lebensauffassung und zum wirtschaftlichen Erfolg erklärt den anhaltenden Zauber von Art déco-Objekten.

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Praktische Beispiele für die epochale Differenzierung

Die Unterschiede der Epochen erschließen sich, wenn man antike Beschläge sowie Leuchten im Jugendstil und Art déco begutachtet. Die Manufaktur Berliner Messinglampen präsentiert eine Wandleuchte mit Glasschirm, der wie ein Blütenkelch geformt ist. Schwungvoll ist die Messinghalterung mit angedeuteten Zweigen gestaltet. Die Leuchte wirkt trotz der verspielten Details nicht zu opulent, sondern elegant. Das Modell lässt sich deshalb eindeutig den Leuchten im Jugendstil zuordnen.

Wandleuchte A85-01op

Auf dem konisch geformten Fuß thront bei der Mazda-Lampe ein kelchförmiger Schirm. Das abstrakte Leuchtendesign weckt insgesamt Assoziationen mit einer Tulpe. Prägnant ist der Kontrast zwischen dem schwarzen Ständer und dem weißen Leuchtenschirm. Der Designklassiker ist ein Paradebeispiel für Leuchten der Art déco. Beschläge Im Jugendstil verzierte man häufig liebevoll mit ornamentalen Blättern und Blüten. Deutlich diskreter fielen die Naturbezüge in der Art déco aus. Der damals beliebte Muschelgriff deutet die Form des natürlichen Vorbilds nur an.

art nouveau - Art Deco Tischleuchte