Türschwelle abschleifen und neu ölen

Heute wird es praktisch: Wir demonstrieren die wichtigsten Schritte und Stolpersteine beim Abschleifen und Ölen von Türschwellen aus Holz.

Die Ausgangslage war eine alte Türschwelle mit tiefen Kratzern. Ziel war es, die Kratzer zu reduzieren und neuen Glanz zu verleihen. Dazu sollte das Holz abgeschliffen werden. Um die Türschwelle anschließend zu konservieren, musste eine neue Schutzschicht aufgetragen werden.

Bild von der Türschwelle vor der Restaurierung
Die alte Türschwelle vor der Restaurierung

Einkaufszettel – was wird benötigt, um eine Türschwelle abzuschleifen und neu zu ölen?

Wir benötigen für unser Projekt:

  • Schleifpapier
    • 80er und 120er Körnung
  • Complex Holzschutz Wachs
    • Es lässt sich leicht verarbeiten, riecht angenehm und ist nach der Kinderspielzeugnorm zertifiziert.
    • Es ist ungiftig und schützt prima gegen Nässe.
    • Die Maserung des Holzes wird verstärkt und der Farbton wird wärmer.
    • Zusätzlich ist es immer wieder regenerierbar – man kann bei kleineren Flecken einfach nochmal nacharbeiten.
  • Pinsel
  • Küchenpapier
  • Optional: Werkzeug zum Schleifen
    • Exzenterschleifer mit 80er Schleifpapier
      • Ein Deltaschleifer funktioniert für unsere Zwecke nicht gut. Das Schleifen dauert lange und der Schliff selbst wird ungleichmäßig.
    • Dremel mit Schleifaufsatz
Complex Holzschutzwachs
Complex Holzschutzwachs schützt das Holz von innen

Lack oder Lasur oder Öl – was eignet sich am besten?

Zunächst muss man sich überlegen, welche Art von Lack, Lasur oder Öl aufgetragen werden soll. Ganz grundlegend kann man sagen:

  • Lacke überdecken die Holzstruktur, man hat aber viele Freiheiten bei der Farbwahl. Durch Schläge kann Lack absplittern, was unschön aussieht und an dieser Stelle den Schutz entfernt. Für eine Türschwelle ist das nicht das Richtige.
  • Lasuren lassen die Holz-Optik in der Regel bestehen. Ob sie die Farbe verändern liegt am Pigment in der Lasur. Die meisten Lasuren sind jedoch transparent. Holzwachs-Lasuren ermöglichen das Diffundieren der Feuchtigkeit aus und in das Holz. Die Oberfläche bleibt dadurch länger erhalten und das Holz wird geschützt.
  • Öle arbeiten die Struktur des Holzes noch stärker heraus, verändern aber die Farbe des Holzes stärker als Lasuren. Die Holzfarbe wird intensiviert und dadurch wärmer. Öle dringen tief in das Holz ein und schützen von innen heraus gegen Wasser und sogar Spirituosen. So kann die Türschwelle ganz einfach beim Reinigen des Fußbodens mit geputzt werden. Es entsteht keine Schicht auf dem Holz, man kann die Schutzschicht also nicht “ablaufen”. 

In unserem Fall war ein Holzschutzwachs von Complex die beste Lösung. Genau genommen ist es ein Hartöl mit Wachsanteilen. Es schützt optimal gegen Wasser und ist sehr strapazierbar. Die Türschwelle behält ihren warmen Farbton, bekommt aber trotzdem einen frischen Look.

1. Schritt: Türschwelle schleifen

Im ersten Schritt muss geschliffen werden. Die alte Schutzschicht des Holzes muss runter und die Kratzer müssen weg. Dafür eignet sich einfaches Schleifpapier. Zu Beginn muss viel Material weg, wir nehmen also eine 80er Körnung. Um die Oberfläche vor dem Auftragen des Wachses zu glätten ist eine 120er Körnung zu empfehlen.

Man arbeitet immer über eine große Fläche in Faserrichtung des Holzes und nicht nur auf einem kleinen Punkt. Sonst entstehen unschöne Furchen. Man sieht sie später auch wenn das Wachs aufgetragen ist.

Das Bild zeigt die Kratzer, die beim punktuellen Schleifen entstehen.
Zwei Stellen mit Kratzern, die durch punktuelles Schleifen entstehen.

Vor dem Schleifen muss der Boden und die unteren Zentimeter des Türrahmens abgeklebt werden. Sonst besteht Kratzergefahr. Hier genügt in der Regel einfaches Malerkrepp oder Krepp-Klebeband.

Die Seiten der Türschwelle kann man mit einem Schleifaufsatz für die Dremel bearbeiten
Die Seiten der Türschwelle kann man mit einem Schleifaufsatz für die Dremel bearbeiten.

Wem die Handarbeit zu mühselig ist, kann für den Großteil der Türschwelle auch einen Exzenterschleifer nutzen. Damit hat man die Schwelle innerhalb von Minuten ordentlich geschliffen. Wir haben auch hier 80er Körnung genommen. Vor dem Auftragen des Öles haben wir per Hand mit 120er Papier kurz nachgeschliffen.

Etwas aufwändiger waren die schmalen Seiten der Türschwelle. Diese haben wir mit einer  Dremel und dem passenden Aufsatz geschliffen. Natürlich kann aber auch hier wieder per Hand und 80er Papier schleifen.

Alle Schleifarbeiten haben wir bei laufendem Staubsauger erledigt – so bleibt die Wohnung und die Nase halbwegs staubfrei.

2. Schritt: Öl auftragen

Nach dem Schleifen kommt der einfache Teil – das Auftragen des Öles.

Zunächst muss die Schwelle vom Schleifstaub befreit werden. Hierzu am besten ein trockenes Tuch verwenden. Es darf nicht nass sein – wir wollen das Holz nicht aufquellen sondern nur den Staub entfernen.

Staub wird mit einem trockenen Tuch abgewischt
Den Staub muss weg – das geht gut mit einem trockenen Tuch

Die Dose des Holzschutzwachs erst kurz vor Verwendung öffnen und zunächst gut umrühren. Am besten eignet sich ein Holzstab. Bitte nicht den Pinsel nutzen, sonst hängt sich zu viel Öl am Pinsel fest.

Stattdessen tauchen wir den Pinsel nur 5-10mm in das Öl ein. Eine kleine Menge bleibt am Pinsel hängen, die wir zuerst auf der Schwelle verteilen.

Wir mussten für die Türschwelle noch einmal neu eintauchen um genügend Öl zu haben. Die aufgetragene Schicht soll nur sehr dünn sein – alles überflüssige Öl werden wir nämlich gleich wieder abwischen. Da bringt es nichts, zu viel auf einmal aufzutragen.

Das Öl muss dünn auf der Türschwelle verteilt werden.
Mit einem Pinsel lässt sich das Öl gut und gleichmäßig verteilen.

Wenn alle Seiten dünn bestrichen sind warten wir kurz. Also etwa 5 Minuten. In dieser Zeit hat das Öl Zeit, ins Holz einzudringen. Es soll aber noch nicht antrocknen.

Während wir warten, schauen wir uns nochmal das Bild an. Der Kratzer, den wir scheinbar weggeschliffen hatten ist wieder aufgetaucht. Das Öl arbeitet die Holz-Struktur heraus und damit auch die Kratzer. Wen das stört, der muss länger Schleifen. Wir haben uns die Mühe gemacht – das Ergebnis gibt’s am Ende.

Das Ergebnis, wenn das Öl gleichmäßig verteilt ist
Nach dem Ölen sieht man die Kratzer wieder deutlich. Hier hilft nur: Mehr schleifen

Nach ca. 5 Minuten entfernen wir das überschüssige Öl. Dazu nehmen wir ein Küchenpapier. Durch diesen Schritt vermeiden wir, dass das Holz klebrig wird. Lässt man alles Öl auf der Schwelle, dauert es Tage, bis man sie normal betreten kann und es bleibt noch über Wochen ein leicht klebriger Film. Nur durch das Abwischen wird die Oberfläche optimal. Der Trick beim Ölen von Holz liegt in der mehrmaligen Anwendung. Am nächsten Tag sollte die Oberfläche bereits trocken sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, der wartet zwei Tage. Jetzt schleifen wir die Oberfläche ganz kurz per Hand mit 120er Papier an – wer feineres Papier hat nimmt dieses. Wieder mit einem trockenen Tuch den Staub abwischen und anschließend Öl mit dem Pinsel aufgetragen; 5 Minuten warten und überschüssiges Öl wieder abwischen.

Überschüssiges Öl wird mit etwas Küchenpapier entfernt
Überschüssiges Öl wird nach 5 Minuten Eindringzeit entfernt.

Zwei Schichten Wachs sind das Minimum und gleichzeitig unsere Empfehlung. Wer keine Wasserschlacht im Haus macht kommt mit zwei Schichten gut zurecht. Alle anderen tragen noch eine dritte oder vierte Schicht auf.

Die weiteren Schichten können aber auch problemlos nach Bedarf zu einem (viel) späteren Zeitpunkt aufgetragen werden. Die Schwelle muss dann auch nicht mehr komplett abgeschliffen werden. Es genügt, kurz anzuschleifen und zu Ölen.

Die Türschwelle nach der Restaurierung
Das Ergebnis nach zwei Mal ölen. Wir haben aber vorher die restlichen Kratzer rausgeschliffen.