© Carola Schubbel / Fotolia.com

Holzschädlinge

« Erkennen und effektiv bekämpfen »

Eine Lagerung an ungünstigen Orten kann zum Pilzbefall führen. Für Dellen oder Kratzer ist der Mensch verantwortlich und starkes Austrocknen verursacht Risse. Antike Möbel können nicht nur von diesen Umwelteinflüssen heimgesucht werden. Auch Holzschädlinge wie der Gemeine Nagekäfer machen sich über die Zeitzeugnisse her und zerstören diese mitunter komplett. Nur wer die Gefahr erkennt, kann den Holzwurm bekämpfen und das Liebhaberstück erhalten.

@wikipedia – KaiMartin
@wikipedia – KaiMartin

Eindrucksvolle Vielfalt an Holzschädlingen

Schädlinge, die es aufs Holz abgesehen haben, beschäftigen viele Institute angesehener Universitäten rund um den Globus. Dieses Interesse hat gute Gründe: Bei einem akuten Befall kann es dazu kommen, dass große Teile eines Waldes vernichtet oder stattliche Holzhäuser einsturzgefährdet sind. Außerordentlich zerstörerisch sind Termiten, die ganze Staaten bilden und von denen Wissenschaftler bislang rund 2.800 Arten entdeckt haben. Es geht also um ernsthafte Probleme und um ein sehr weites Forschungsfeld. Glücklicherweise lieben diese Holzschädlinge warme Regionen und kommen in Mitteleuropa weniger vor. Dennoch gibt es hierzulande eine eindrucksvolle Vielfalt an Insekten, die Förster ebenso beunruhigen wie Hausbesitzer oder Antiquitätenhändler. Dabei sind weniger die ausgewachsenen Gattungen das Problem, sondern deren Larven. Aufgrund seiner Popularität lohnt sich ein Zoom auf den Gemeinen Nagekäfer, der in unseren Breitengraden präsent ist.

@wikipedia – KaiMartin
@wikipedia – KaiMartin

Hilfreiches Hintergrundwissen

Die weiblichen Exemplare dieser Gattung lieben weitgehend trockenes Holz, das sich in einem kühlen bis mäßig warmen Umfeld mit einer zehnprozentigen Luftfeuchtigkeit oder mehr befindet. Dass diese Charakteristiken auf viele antike Möbel zutreffen, ist nachvollziehbar. Obendrein sind die Holzschädlinge nicht wählerisch hinsichtlich des Alters und der Gattung des Baums, von dem der natürliche Werkstoff stammt. Es genügen kleine Ritzen, um dort eine beträchtliche Anzahl von Eiern abzulegen, aus denen nach rund einem Monat Larven schlüpfen. Wenngleich die Holzschädlinge hungrig sind, können sie sich an die gegebenen Voraussetzungen gut anpassen. Das heißt: Ihre Entwicklungsphase kann von einem Jahr auf bis zu acht Jahren ausgedehnt werden und die Aktivität dementsprechend über eine größere Zeitdauer minimiert werden. So erklärt sich auch, dass viele Schädlinge zunächst unentdeckt bleiben. Sobald die Entwicklung abgeschlossen ist, bohren sich die Larven für ihren zweiten Lebenszyklus als Käfer einen Weg nach draußen. Dort widmen sie sich umgehend der Paarung und der Fortpflanzung, sodass für die Nachkömmlinge alsbald wieder ein hölzernes Domizil benötigt wird. Da sich der Befall zügig ausweiten und andere Objekte einschließen kann, müssen Sie umgehend nach der Entdeckung den Kampf gegen den Holzwurm aufnehmen.

@wikipedia – KaiMartin
@wikipedia – KaiMartin

Verlässliche Indizien für Holzschädlinge

Eine Treppe aus Holz, Vertäfelung an der Decke und liebevoll restaurierte Massivholzmöbel charakterisieren den gemütlichen Landhausstil. Dabei handelt es sich um ein Eldorado für frisch importierte Holzschädlinge. Dementsprechend wichtig ist es, antike Möbel oder andere hölzerne Fundstücke aus zweiter Hand vor dem Einzug unter die Lupe zu nehmen. Auch bei einer geplanten Restauration müssen Sie gegebenenfalls den Holzwurm bekämpfen, bevor es an das Aufarbeiten der Antiquität geht. Experten achten schon vor dem Kauf darauf, ob sie es eventuell mit einem Schädling aufnehmen müssen. Ist der vorhersehbare Aufwand bei den Fundstücken nicht gerechtfertigt, verlieren antike Möbel ihren Reiz. Für die Einschätzung des Zustands suchen Fachleute nach folgenden Indizien:

@wikipedia – Malte Jörn Krafft / Hic et nunc
@wikipedia – Malte Jörn Krafft / Hic et nunc
  • Beim Start in den zweiten Zyklus werden Ausfluglöcher benötigt, die von außen sichtbar sind. An der Form des Lochs lässt sich sogar die Gattung der Untermieter erkennen: Beispielsweise hinterlässt der drahtige Nachwuchs vom Splintholzkäfer eine winzige Rundung, während die etwas korpulente Larve des Hausbocks ein großes und ovales Loch verursacht.
@wikipedia – Gn
@wikipedia – Gn
  • Antike Möbel weisen häufig Ausfluglöcher auf, die eine lange Historie bezeugen und dem Charisma des Einrichtungsobjekts zugutekommen. Wenn die Löcher nicht scharfkantig und von Schmutzablagerungen umgeben sind, muss der neue Besitzer meist keinen Holzwurm bekämpfen. In diesem Fall sind die Holzschädlinge höchstwahrscheinlich schon ausgezogen oder abgestorben.
  • Sollte das Möbelstück einige Löcher aufweisen, wird an diesen Stellen mit dem Daumen leicht auf die Holzoberfläche gedrückt. Gibt der normalerweise solide Werkstoff nach, ist das ausgehöhlte Objekt kaum zu retten oder gehört als Kostbarkeit in die Hände eines talentierten Restaurators.
  • Auch in Möbelstücken, die sich längere Zeit in Ihrem Besitz befinden, können Holzschädlinge aktiv werden. Feine Holzspäne oder das Antreffen der räuberischen Käfer, die sich aus den Larven entwickeln, bezeugen einen aktiven Befall und signalisieren, dass man den Holzwurm bekämpfen muss.
@wikipedia – Túrelio
@wikipedia – Túrelio
  • Daraus ergibt sich ein relativ verlässlicher Test, um Schädlinge zu entlarven oder auszuschließen: Unter den Antiquitäten aus Holz wird Papier ausgebreitet. So hebt sich heruntergefallenes Holzmehl hervor und Sie müssen aktiv werden.
  • Bei der Beobachtung sollten die Fächer im Inneren eines Schranks nicht vergessen werden.
  • Da Holzschädlinge ihre Aktivität drosseln können, sollte sicherheitshalber die Begutachtung über mehrere Tage erfolgen.

Holzwurm bekämpfen – so geht’s!

Von chemischen Varianten für die Schädlingsbekämpfung ist bei Objekten für die Wohnwelt grundsätzlich abzuraten. Die aggressiven Substanzen greifen nicht nur das Holz an, sondern entweichen noch nach vielen Jahren aus dem Möbelstück und gefährden die Gesundheit. Auch traditionelle Mittel wie Salmiakgeist sind nicht ungefährlich und sollten vom Laien nicht eingesetzt werden. Ob sich mit Petroleum oder Zedernöl der Holzwurm bekämpfen lässt, ist umstritten. Mit konzentrierter Essigessenz, die in das Holz gespritzt wird, haben Restaurateure hingegen gute Erfahrungen gesammelt. Allerdings ist die Prozedur bei größeren Objekten sehr mühsam. Zu den biologischen Tricks, um einen Holzwurm zu bekämpfen, gehören Eicheln. Diese verbreiten einen Duft, dem viele Holzschädlinge nicht widerstehen können. Sind aufgrund der Saison frische Eicheln verfügbar, lohnt sich ein Versuch. Nach dem Auslegen der Köder wird das Geschehen beobachtet. Kommen tatsächlich Holzwürmer ans Tageslicht, werden die Früchte entsorgt und durch weitere Eicheln ersetzt, bis das Problem behoben ist.

@wikipedia – Matteo Vannacci
@wikipedia – Matteo Vannacci

Viele Restaurateure setzen auf Schocks, die für die unerwünschten Gäste tödlich sind. Temperaturen, die deutlich unter -10 Grad liegen, oder eine Hitze von etwa 70 Grad sind für die meisten Holzschädlinge lebensbedrohlich. Bei kleineren Gegenständen bietet sich ein längerer Aufenthalt in der Tiefkühltruhe oder im Backofen an. Für größere Möbelstücke findet sich in der Nachbarschaft vielleicht eine Sauna oder ein Tiefkühlraum, der unter anderem in größeren Restaurants oder in Metzgereien anzutreffen ist. Da extreme Temperaturschwankungen oder Trockenheit auch Schäden wie Risse am Holz verursachen können, sollten bei antiken Kostbarkeiten Experten die thermische Behandlung durchführen. Manchmal scheinen sich die Eindringlinge durch keine Methode jenseits der Chemie beeindrucken zu lassen. In diesen Fällen ist aus Liebe zu den weiteren Einrichtungsobjekten und zur individuellen Gesundheit die Trennung von der Antiquität die beste Idee.

Borma BienenwachsVorbeugen vermeidet das Nachsehen

Viele Lasuren und natürliche Pflegemittel wie Bienenwachs begünstigen nicht nur die Langlebigkeit antiker Möbel, sondern erschweren den Holzschädlingen auch das Eindringen. Besonders wichtig ist die intensive Pflege bei sichtbaren Rissen, bei verwaisten Ausfluglöchern oder als Nachsorge, wenn Sie erfolgreich den Holzwurm bekämpfen konnten. Die Aussparungen sollten mit Holzkitt aufgefüllt oder alternativ mit Wachs verschlossen werden. Bei Gelegenheit können auch unverdächtige Holzmöbel für einige Stunden der Hitze eines sonnigen Sommertags oder der klirrenden Kälte des trockenen Winters ausgesetzt werden. So können Sie heimlichen Bewohnern frühzeitig die Lebensgrundlage entziehen, bevor sich eine intensive Pflege mit hochwertigen Polituren oder Ölen anschließt.