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Schellack auftragen

« Wir erklären die richtige Anwendung! »

Die Dose öffnen, den Schellack auftragen und fertig ist die Oberflächenveredelung: So einfach gelingt die traditionelle Variante der Holzversiegelung und Möbelpflege leider nicht. Denn bei der sogenannten Königsdisziplin der Politur müssen Sie einige Details beachten und etwas Geduld mitbringen. Da das ästhetische Ergebnis aber unvergleichlich schön und die verarbeitete Substanz natürlich ist, haben sich Ihre Lieblingsstücke die Schellackpolitur verdient. Außerdem erleichtert sich die Holzpflege deutlich, wenn lediglich eine seidig glänzende Textur angestrebt wird.

Politur mit langer Tradition

Schon in antiken Schriften wird die Substanz „Lac“ erwähnt, auf der die Bezeichnung vieler Produkte für die Behandlung von Oberflächen originär beruht. Eine spezielle Lausart, die beispielsweise in Indien beheimatet ist, entzieht Bäumen den Pflanzensaft und scheidet diesen in chemisch veränderter Form wieder aus. In der Natur wird aus der harzartigen Absonderung ein schützender Kokon für die abgelegten Eier gebildet, aus denen wiederum Lackläuse heranreifen. Seit der frühzeitlichen Entdeckung wurde der Rohstoff für die verschiedensten Zwecke verwendet.

Mit Schellack wird bei Holzmöbeln der Hochglanz-Effekt erzielt
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Dass Tischler auf Holzmöbel Schellack auftragen, ist aber eine vergleichsweise junge Idee aus dem 19. Jahrhundert. Damit wurde nicht nur ein Hochglanzeffekt erzielt, der in dieser Form vorher nicht bekannt war und viele Kunden begeisterte. Da Staub auf der besonders glatten Versiegelung nur locker aufliegt, vereinfachte sich die Möbelpflege bei edlen Einrichtungsobjekten. Gleichzeitig reagiert Schellack aber bei der Konfrontation mit Wasser oder Sonnenstrahlen empfindlich und fordert bei der Verarbeitung viel Zeit ein. Einerseits führten diese Eigenschaften dazu, dass sich synthetische Lacke durchsetzten. Andererseits sollten Sie bedenken, dass die traditionelle Veredelung den sorgsamen Umgang mit den polierten Möbelstücken und eine spezielle Holzpflege nach sich zieht.

Die Königsklasse der Holzveredelung kennenlernen

Wer sich einst als Poliermeister empfahl, warf eine mehrjährige Ausbildung in die Waagschale und griff auf viele feine Tricks der Holzpflege im versierten Arbeitsalltag zurück. Deshalb sollten Sie die Messlatte der Perfektion nicht zu hoch legen und eher ein kleines Objekt auswählen, um sich an Schellackpolitur heranzutasten. Denn der wichtigste Ratgeber für die Handwerksdisziplin sind die Erfahrungen in der Praxis, bei der Sie individuelle Kniffe für optimale Resultate oder das Ausbügeln kleiner Fehler entwickeln. Sobald das Prinzip vertraut ist, bereitet die Veredelungstechnik meist viel Spaß und avanciert nicht selten zu einem kunstvollen Hobby.

Benötigte Materialien beim Polieren mit Schellack

Im Gegensatz zu versiegelnden Methoden bei der Materialveredelung und Holzpflege wird die Lackschicht in mehreren Durchgängen sukzessive aufgebaut. Dadurch entsteht der außergewöhnlich tiefe Glanz bei Schellackmöbeln, der sich mit modernen Techniken kaum nachahmen lässt. Zu den wichtigsten Utensilien gehören sogenannte Polierballen, die Sie aus Wolle für den saugfähigen Kern und Naturfasertüchern für die äußere Hülle selbst vorbereiten. Zum Gelingen trägt wesentlich bei, dass für die einzelnen Arbeitsschritte ein eigenständiger Ballen verwendet und dieser während der Wartezeiten in einem verschraubbaren Gefäß aufbewahrt wird.

SCHELLACK 100° - Spezialspiritus für Schellack

Um die Konsistenz an den Bedarf bei dem Handwerksprojekt anzupassen, bereiten Experten ihre Schellackpolituren gerne selbst vor. Hierfür wird das schuppenartige Naturmaterial beispielsweise in Schellack-Spezialspiritus von Borma aufgelöst. Eventuell wird die Mischung im Sinne des erhöhten Reinheitsgrads nach 24 Stunden nochmals gefiltert. Welches Mischverhältnis und welche Schellackkonzentration für die konkrete Anwendung sinnvoll sind, erläutern die Hersteller in den Produktbeschreibungen. Tendenziell wird eher mit dünnen Lösungen gearbeitet. Da der enthaltene Alkohol während der Verarbeitung schnell verfliegt, wird der Ballen beim Auftragen in der Regel mit der vorbereiteten Politur und etwas zusätzlichem Spiritus versehen. Darüber hinaus wird ein geeignetes Paraffinöl ins Spiel gebracht, um das gleichmäßige Gleiten über die Oberfläche zu fördern.

Auftragen und Poren auffüllen

Grundsätzlich wird eine Schellackpolitur nur bei feinporigen Holzarten wie Mahagoni oder Ahorn empfohlen. Denn der einzigartige Hochglanzeffekt ergibt sich nur auf sehr gleichmäßigen Oberflächen. Aus diesem Grund gehen Sie beim vorhergehenden Schleifen sehr penibel vor und wenden sehr feine Papiere an. Anschließend müssen sämtliche Ablagerungen komplett entfernt werden. Nach dem feuchten Abwischen sollte genügend Zeit für die Trocknung eingeplant werden. Verbleibt nur ein Hauch von Feuchtigkeit im Holz, zeichnen sich später an den betroffenen Stellen Grauschleier ab, die sich mit keinem Produkt für die Möbelpflege kaschieren lassen.

Für feinporige Holzarten empfiehlt sich eine Schellack-Behandlung
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Insbesondere bei den ersten Schritten haben sich verschiedenen Vorgehensweisen etabliert. Bei den verbreiteten Ansätzen wird die Grundierung mit dem Auffüllen der Poren verknüpft, von denen auch fein strukturierte Hölzer geprägt sind. Der Stoffballen wird im ersten Durchgang mit der angesetzten Schellackpolitur befeuchtet und zusätzlich mit etwas Spiritus versehen, wenn beim Auftragen die Konsistenz zu zäh anmutet. Appliziert wird die Möbelpflege mit Bewegungen in Kreisen oder Achten und einem beharrlichen Druck, ohne dabei an einer Stelle zu verharren. Wird der Bewegungsablauf durch eine Unebenheit an der Oberfläche ausgebremst, handelt es sich um eine Pore. Diese bestreuen Sie sparsam mit Bimsmehl, welches Sie direkt anschließend mit dem Ballen kräftig einarbeiten. Sobald die gesamte Holzfläche bearbeitet wurde, steht eine Trocknung von mindestens einem Tag an. Anschließend wiederholen Sie den Vorgang mehrere Male, bis alle Poren verschwunden sind.

Holzpflege für Profis: Schellack auftragen und glanzvoll auspolieren

Wenngleich Schellack schon vorher zum Zuge kam, beginnt die eigentliche Politur erst an diesem Punkt. Damit Rückstände vom Bimsmehl auf dem zunehmend glatten Holz keine Kratzer verursachen, kommt ein jungfräulicher Polierballen zum Einsatz. Dieser wird erneut mit der Lacklösung und ergänzend mit einem Tropfen Polieröl versehen. Einsteigern wird empfohlen, dass die Schellacklösung eher zu dünn als zu dick ist, da so diverse Pannen wie Lacknasen umgangen werden. Deshalb wird das trocken erscheinende Arbeitsutensil tendenziell häufiger mit speziellem Spiritus als mit der Politur befeuchtet, da sich nach dem Verfliegen des Alkohols meist noch genügend Schellackpartikel in dem Stoffballen befinden.

Mit der anschließenden Politur werden die Rückstände vom Bimsmehl entfernt
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Wenn Sie nun den Schellack auftragen, sind zügige kreisende Bewegungen und gelegentliche Kurven für den Richtungswechsel gefragt. Die hohe Kunst bei dem Verfahren ist es, nicht einmal eine Sekunde an einem Fleck zu pausieren, die Bahnen nicht überlappen zu lassen und jede Ecke zu erwischen. Denn der Clou des Verfahrens ist, dass sich durch das Ethanol die zuvor aufgetragene Schicht minimal öffnet und sich mit dem frisch applizierten Schellack vereint, ohne sich dabei von der Oberfläche zu lösen oder Schlieren herauszubilden. Auch dieses Prinzip wird mit den entsprechenden Wartezeiten für das vollkommene Abtrocknen mehrmals wiederholt, bis Ihnen das Ergebnis zusagt. Abschließend werden Polierreste mit einem Spezialprodukt für die sogenannte Abziehpolitur entfernt. Danach genügen bei der alltäglichen Holzpflege einige trockene Streicheleinheiten mit einem weichen Tuch, um den strahlenden Glanz des Möbelstücks zu erhalten.

Einfache Alternative für den seidigen Glanz ohne intensive Möbelpflege

Eventuell erscheint Ihnen die professionelle Methode etwas zu aufwendig. Außerdem zeichnen sich auf hochglänzenden Objekten Fingerabdrücke und Staub zügig ab. So wird die recht einfache Möbelpflege bei Schellack dadurch relativiert, dass Sie für das tadellose Antlitz häufig zum Poliertuch greifen müssen. Dennoch sollten Sie sich von dem Material für die Oberflächenveredelung nicht gänzlich distanzieren. Schließlich punktet es mit seinem natürlichen Ursprung und enthält keine Lösungsmittel, die während des Alltags an die Umgebung abgegeben werden. Sie können die Holzflächen auch lediglich sehr sorgfältig schleifen und den Schellack ganz klassisch mit einem Pinsel auftragen. Nach dem Trocknen tragen Sie für den Schutz und die erleichterte Holzpflege etwas Holzwachs auf. Bei dieser Technik ergibt sich eine seidige Textur, die ebenfalls sehr ästhetisch aber weniger pflegeintensiv ist als hochglänzende Schellackpolitur.